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In vier Schritten über den Alzheimer-Bluttest entscheiden - Gesprächsleitfaden

Schritt 1: Die anstehende Entscheidung über einen Alzheimer-Bluttest einführen

Beginnen Sie mit einer Kurzvorstellung der Alzheimer-Krankheit und des Alzheimer-Bluttests mit Hilfe der Blutbiomarker.

Das erste Gesprächsziel ist, dass der/die Patient*in versteht, dass es Handlungsoptionen gibt, welche aber nicht für jede/n Patient*in in Frage kommen.

Das Gespräch richtet sich zunächst an all jene Patient*innen, die 60 Jahre alt oder älter sind und kognitive Beschwerden haben. Stellen Sie zu Beginn heraus, dass im Gesprächsverlauf eine kognitive Testung notwendig wird. Denn der Alzheimer-Bluttest richtet sich nur an jene Patient*innen, deren kognitive Beschwerden sich durch eine kognitive Testung erhärten lassen.

Das zweite Gesprächsziel ist, jenen Patient*innen deutlich zu machen, dass Sie eine Entscheidung über einen Alzheimer-Bluttest treffen können.

  • Lassen Sie uns gemeinsam eine Entscheidung treffen, die Ihren Bedürfnissen entspricht.
  • Fühlen Sie sich von den Handlungsmöglichkeiten überfordert? Ich würde Ihnen gern helfen, diese zu verstehen und die beste auszuwählen.
  • Ich möchte Ihnen helfen, eine gute Entscheidung zu treffen. Daher würde ich gerne hören, wie Sie darüber denken. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten!
  • Der medizinische Teil ist mein Fachgebiet. Aber Sie sind derjenige/diejenige, den/die es betrifft. Also sagen Sie mir, was für Sie wichtig ist.

Schritt 2: Optionen des Testens und Nicht-Testens erläutern

Erklären Sie, dass Sie im Folgenden die verschiedenen Handlungsoptionen mit ihren Vor- und Nachteilen erläutern werden.

Nun werde ich Ihnen Ihre Optionen erläutern. Was unterscheidet diese Optionen? Was sind ihre Vor- und Nachteile und wie häufig kommen diese vor? Machen Sie sich auch gern Notizen dazu.

2.1 Welchen Unterschied macht es, wenn man den Alzheimer-Bluttest macht oder nicht macht?

Besprechen Sie im ersten Teilschritt die Vor- und Nachteile des Testens, bevor Sie das für das Nicht-Testen tun. Vergleichen Sie die potenziellen Konsequenzen möglichst anhand von Aussagen pro Handlungsoption (z.B. Testen) anstatt rein relativer Vergleiche der beiden Optionen!

Ein Alzheimer-Bluttest kann die Abklärung einer kognitiven Problematik erleichtern. Sein Ergebnis verändert den Umgang mit den Beschwerden des/der Patient*in. Sind die Ergebnisse vom Mini-Mental-State-Test (MMST) und vom Alzheimer-Bluttest auffällig, kann ein/e Fachärzt*in gezielt abklären, ob tatsächlich eine Alzheimer-Krankheit vorliegt. Ist der Alzheimer-Bluttest trotz auffälligem MMST-Ergebnis unauffällig, kann ein Facharzt/eine Fachärztin die alternative Ursache der kognitiven Beschwerden suchen.

Eine frühere Diagnose der Alzheimer-Krankheit bietet Zugang zu Versorgungsoptionen. Ferner impliziert sie Planungssicherheit und Kontrolle für den Patienten/die Patientin – in medizinischen, finanziellen und rechtlichen Fragen. Eine Diagnose kann positiven wie negativen Einfluss auf den Umgang mit Symptomen, mit eigenen Beschwerden, auf das eigene Erleben und auf soziale Interaktionen haben (z.B. wer unterstützt mittel- bis langfristig).

Es ist noch nicht bekannt, wenn man einen Alzheimer-Bluttest machen lässt, inwieweit sich Gesundheit oder Lebensqualität in der Folge verändern.

  • Durch den Alzheimer-Bluttest erfahren Sie Ihren aktuellen Amyloid- oder Tau-Status. Dadurch kennen Sie Ihr Risiko besser, ob Sie in Zukunft an einer Alzheimer-Demenz erkranken oder nicht. Das kann vieles verändern.
  • Es wird noch erforscht, welche Auswirkungen das Testen auf Ihre Gesundheit und Lebensqualität haben könnte.
  • Im Folgenden können wir überprüfen: Was bedeutet ein auffälliger oder unauffälliger Amyloid- oder Tau-Status für das individuelle Risiko, in Zukunft an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken?

2.2 Wie hoch ist das Basisrisiko, an Demenz zu erkranken?

I. Basisrisiko in Abhängigkeit einer kognitiven Testung

1) Ermitteln Sie mit der nachfolgenden Anwendung das absolute Basisrisiko der/s Patient*in mit kognitiven Beschwerden für eine Demenz. Die Anwendung ist für Patient*innen ab 60 Jahren geeignet.

2) Für die Schätzung des Basisrisikos wird auch das Ergebnis einer kognitiven Testung zugrunde gelegt. Hierfür lässt sich mit dem MMST screenen. Nur wenn ein auffälliges Ergebnis vorliegt - ein MMST-Wert kleiner 27 - kommt der/die Patient*in für einen Alzheimer-Bluttest in Frage.

Das absolute Basisrisiko ist eine Vorhersage in Form prozentualer Wahrscheinlichkeit, dass eine Person in den nächsten 10 Jahren an Demenz erkranken wird. Diese Vorhersage bezieht sich auf eine hypothetische Gruppen von Menschen mit bestimmten Eigenschaften und hat daher nur eine begrenzte Zuverlässigkeit. Im konkreten Einzelfall kann diese Vorhersage auch falsch sein. Die untenstehende Abbildung links zeigt das jeweilige Basisrisiko an.

Nutzen Sie das untenstehende Formular für die Eingaben im Risikorechner. Dabei kann bei dem/der Patient*in der Eindruck von Unvermeidbarkeit entstehen. Daher ist die Thematisierung von Handlungsmöglichkeiten im weiteren Gesprächsverlauf äußerst relevant!

Nutzen Sie den Risikorechner, wenn Sie von dem/der jeweiligen Patient*in und der Situation den Eindruck haben, dass er/sie mit einer sachlichen Einschätzung umgehen möchte bzw. kann. Ist er/sie bereits sehr emotional, z.B. verängstigt, kann eine Risikoberechnung helfen, aber auch verunsichern. In solchen Fällen wären Patientenbedürfnisse und Handlungsmöglichkeiten von höherer Gesprächsrelevanz.

II. Risiko in Abhängigkeit des Amyloid-Status

Optional: Das Risiko für eine Demenz hängt auch davon ab, ob bereits eine Alzheimer-Pathologie vorliegt. Wie stark das Risiko davon abhängt, lässt sich hier simulieren. Simulieren Sie ein hypothetisches Bluttest-Ergebnis (z.B. auffälliger Amyloid-Status) mit der Eingabe im letzten Feld!

Dem Basisrisiko (Abbildung links) können Sie das modifizierte Risiko im Licht eines hypothetischen Vorliegens oder Nicht-Vorliegens einer Pathologie (Alzheimer-Plaques) gegenüberstellen (rechte Abbildung).

Diese modellhaften Risikoeinschätzungen sind mit Unsicherheit behaftet. Sie berücksichtigen weder konkurrierende Einflüsse von Sterblichkeit, noch die Tatsache, dass eine Pathologie nicht perfekt erkannt oder ausgeschlossen werden kann.

Zeigen Sie die Visualisierung, wenn Sie die Eingaben abgeschlossen haben!

Error:
Alter des/r Patient*in
Geschlecht des/r Patient*in
Wie viele Punkte werden im Mini-Mental-State-Test erreicht (MMST) ?
Hypothetischer Amyloid-Status
Zeitliche Orientierung
„Welchen Tag haben wir heute?”
Örtliche Orientierung
„Wo sind wir jetzt?“
Merkfähigkeit
Folgende 3 Gegenstände nennen, dann zur Wiederholung auffordern
Aufmerksamkeit und Rechnen
Jeweils 7 von 100 abziehen oder „STUHL“ rückwärts buchstabieren
Erinnern
„Was waren die Dinge, die Sie sich vorhin gemerkt haben?“
Benennen
Die Testperson soll die folgenden zwei Gegenstände benennen
Wiederholen
Die Testperson soll den folgenden Satz nachsprechen; nur ein Versuch ist erlaubt; die Redewendung „Kein wenn und aber“ ist nicht erlaubt.
Dreiteiliger Befehl
„Nehmen Sie das Blatt Papier, falten es in der Mitte und lassen es auf den Boden fallen“
Reagieren
Die Testperson soll den Satz: „Schließen Sie die Augen“ lesen und befolgen
Schreiben
Die Testperson soll einen beliebigen vollständigen Satz aufzuschreiben
Abzeichnen
Testperson soll die folgende Zeichnung abzeichnen
MMSE Score:
  • Haben Sie alles verstanden? Haben Sie Fragen? Kann ich etwas noch einmal erklären?
  • Erzählen Sie mir mit Ihren eigenen Worten, was Sie gehört oder verstanden haben

Brookmeyer, R., & Abdalla, N. (2018). Estimation of lifetime risks of Alzheimer's disease dementia using biomarkers for preclinical disease. Alzheimer's & Dementia, 14(8), 981-988.

Brookmeyer, R., & Abdalla, N. (2019). Multistate models and lifetime risk estimation: Application to Alzheimer's disease. Statistics in medicine, 38(9), 1558-1565.

2.3 Wenn ein Alzheimer-Bluttest gemacht würde: Was kann ein auffälliges Testergebnis bedeuten?

Erklären Sie im dritten Teilschritt, dass - wie jeder andere medizinische Test auch - der Alzheimer-Bluttest nicht perfekt sein kann. Er könnte fälschlicherweise eine Alzheimer-Pathologie anzeigen oder auch übersehen.

Im Gegensatz zur obenstehenden Visualisierung zum Demenzrisiko, macht die folgende Darstellung deutlich, wie oft Fehler beim Testen auf eine mögliche Pathologie vorkommen. Sie macht verständlich, was das für ein auffälliges oder unauffälliges Testergebnis bedeutet. Hier finden Sie erweiterte Hintergrundinformationen.

Zeigen Sie die Visualisierung, wenn Sie die Eingaben abgeschlossen haben!

Der Visualisierung liegen die Testgütedaten des APS2-Modells für den Alzheimer-Bluttest in der primärärztlichen Versorgung zugrunde. Das Modell beinhaltet den Anteil vom Blutbiomarker Plasma phosphorylated tau 217 (p-tau217) in Verbindung mit dem Verhältnis von β-amyloid 42 und β-amyloid 40 (Aβ42:Aβ40).

Die Prävalenz wurde hier pauschal auf 40% festgelegt. Herleitung: Es ist unbekannt, wie viele Betroffene mit Amyloidpathologie trotz MMST=25 oder MMST=26 keine leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI) aufweisen. Die Prävalenz eines positiven Amyloid-Status lässt sich, in einer Altersspanne von 60 bis 90 Jahren, zwischen 17 und 43% unter jenen, die kognitive Beschwerden (SCI) haben, und zwischen 37 und 71% unter jenen mit diagnostizierter MCI schätzen. Ausgehend davon, dass SCI- und MCI-Vertreter*innen unter den Getesteten sein werden, wird im Sinne des positiven-prädiktiven Wertes eine altersunabhängige konservative Höchstprävalenz von 40% angenommen.

Jansen, W. J., Ossenkoppele, R., Knol, D. L., Tijms, B. M., Scheltens, P., Verhey, F. R., ... & Zetterberg, H. (2015). Prevalence of cerebral amyloid pathology in persons without dementia: a meta-analysis. JAMA, 313(19), 1924-1938.

Palmqvist, S., Tideman, P., Mattsson-Carlgren, N., Schindler, S. E., Smith, R., Ossenkoppele, R., ... & Hansson, O. (2024). Blood biomarkers to detect Alzheimer disease in primary care and secondary care. JAMA, 332(15), 1245-1257.

2.4 Was kann man tun, wenn das Testergebnis auffällig ist

Sie geben nun im vierten Teilschritt einen Ausblick darauf, welche Folgehandlungen zur Auswahl stehen, wenn das Ergebnis des Alzheimer-Bluttests auffällig ist, d.h., dass es klar positiv auf eine Pathologie hinweist oder in einem mittleren Graubereich liegt.

Nur beim Verständnis der Handlungsoptionen infolge eines hypothetischen Testergebnisses kann von einer informierten Testentscheidung ausgegangen werden.

Schritt I - Abklärung durch weiterführende Diagnostik

Da ein auffälliges Alzheimer-Bluttestergebnis keine Diagnose ist, sondern ein starker Hinweis auf das Vorliegen einer Alzheimer-Pathologie (siehe 2.3 Wenn ein Alzheimer-Bluttest gemacht würde: Was kann ein auffälliges Testergebnis bedeuten?), ist eine weiterführende Diagnostik erforderlich (Stand Februar 2026). Ziel der weiterführenden Diagnostik ist die sichere Diagnosestellung. Diese kann nur in einer Fachklinik durchgeführt werden.

Informieren Sie nun über den Ablauf, den der/die Patient*in nach einem auffälligen Ergebnis erwarten kann:

Teilschritt Ia: Arztgespräch

  • Besprechung der Ergebnisse mit speziell ausgebildeten Neurolog*innen oder Psychiater*innen in einem Expertenzentrum, in der Regel einer Gedächtnisambulanz

Teilschritt Ib: Weiterführende Diagnostik (Goldstandard)

  • Neuropsychologische Testung: Ausführliche Tests zur Überprüfung des Gedächtnisses, der Konzentration und des Denkvermögens, um das Stadium der kognitiven Beeinträchtigung zu bestimmen.
  • Um die Alzheimer-Krankheit zu diagnostizieren und andere Ursachen auszuschließen, stehen verschiedene Verfahren zur Auswahl: Bildgebung (PET, MRT) und Nervenwasseruntersuchung (Liquordiagnostik).

Teilschritt Ic: Therapieplanung im Fall einer Diagnose der Alzheimer-Krankheit (siehe Schritt II)

Schritt IIa - Prävention

Ziel einer Behandlung sind verbesserte Lebensqualität, die Selbstständigkeit möglichst zu erhalten, psychische Beschwerden zu lindern und Belastungen zu verringern (auch von Angehörigen)

  • Körperliche Aktivierungen, Sport
  • Psychosoziale Aktivierungen, gemeinsame Alltagsaktivitäten, Kunst- und Musiktherapie
  • Kognitive Aktivierungen, darunter Gedächtnis- und Orientierungsübungen

Schritt IIb - Medikamentöse Behandlung

  • Cholinesterasehemmer
    • In Studien konnten die Cholinesterasehemmer Donepezil, Galantamin und Rivastigmin den Abbau geistiger Leistungsfähigkeit von Menschen mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz leicht verzögern. Die drei Medikamente wirken ähnlich gut. Bei etwa 14 von 100 Studienteilnehmenden wirkte sich die Einnahme von Galantamin positiv auf die Denk- und Merkfähigkeit aus.
    • Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Durchfall, Erbrechen, Durchfall und Schwindel sind möglich, zwischen 1 bis 3 von 10 Patient*innen sind hierbei betroffen. Wenn diese Medikamente in Form von Pflastern gegeben werden, reduzieren sich die Magen-Darmprobleme, aber Juckreiz und Hautrötungen sind möglich (jeweils 1 von 10).
    • Es ist unbekannt, ob die Einnahme der Cholinesterasehemmer die krankheitsbezogene Lebensqualität verbessert und den Umzug in eine Pflegeeinrichtung verzögern kann.
  • Memantin
    • In Studien konnte Memantin bei ungefähr 1 von 10 Menschen den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit über einen Zeitraum von sechs Monaten hinauszögern. Es gab Hinweise, dass sich durch die Einnahme von Memantin starke Unruhe verringern und die Stimmung verbessern kann.
    • Daten über ein Jahr hinaus liegen nicht vor.
    • Abgesehen von möglicher Müdigkeit oder Schwindel, wurden keine Nebenwirkungen aufgezeigt.
    • Es ist unbekannt, ob Memantin dazu beiträgt, dass Menschen mit Demenz länger zu Hause versorgt werden können. Ebenso gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Therapie Angehörige entlastet, etwa durch einen geringeren Pflegeaufwand oder eine niedrigere emotionale Belastung. Außerdem lagen nur begrenzte Erkenntnisse zur Lebensqualität der Betroffenen vor.
  • Lecanemab (Handelsname Leqembi) und Donanemab (Handelsname Kisunla) sind monoklonale gegen Amyloid‑Plaques gerichtete Antikörper
    • Sie lassen sich ggf. zur Behandlung von Menschen mit Alzheimer im Frühstadium (milde kognitive Beeinträchtigung oder milde Demenz) einsetzen.
    • Der mögliche Nutzen ist eine Verlangsamung des Krankheitsfortschritts, also keine Heilung und keine Wiederherstellung bereits verlorener Fähigkeiten.
    • Zentrale Risiken sind amyloidassoziierte MRT‑Veränderungen (ARIA), also Hirnschwellungen (ARIA‑E) und Mikroblutungen bzw. Blutabbauprodukte (ARIA‑H), die engmaschige MRT‑Kontrollen nötig machen können, da sie auch schwerwiegend bzw. lebensbedrohlich sein können.​
    • Die Evidenzlage zum Nutzen-Schaden-Verhältnis der Antikörper gegenüber in Deutschland für die jeweiligen Patientengruppen indizierten Alternativtherapien ist Anfang 2026 noch unsicher und wird kontrovers diskutiert.
  • Sekundärprävention, um den Krankheitsverlauf bzw. den kognitiven Abbau in Richtung einer Demenz zu verzögern, ermöglichen unter anderem medikamentöse Maßnahmen zur Reduktion der kardiovaskulären Risikofaktoren (z.B. Diabetes-Einstellung, Blutdruckmedikamente)

Fink, H.A., Hemmy, L.S., Linskens, E.J. et al. (2020). Diagnosis and Treatment of Clinical Alzheimer's-Type Dementia: A Systematic Review. AHRQ Comparative Effectiveness Reviews, No. 223.

Fink, H. A., Linskens, E. J., MacDonald, R. et al. (2020). Benefits and harms of prescription drugs and supplements for treatment of clinical Alzheimer-type dementia: A systematic review and meta-analysis. Annals of Internal Medicine, 172(10), 656-668.

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (2026). Lecanemab: DGPPN fordert Erstattungsfähigkeit der Antikörper-Therapie bei früher Alzheimer-Demenz, https://www.dgppn.de/aktuelles/stellungnahmen-und-positionen/lecanemab-dgppn-fordert-erstattungsfaehigkeit.html.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (2025). [A25-111] Lecanemab (frühe Alzheimer-Krankheit) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V, https://www.iqwig.de/projekte/a25-111.html.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (2009). [A05-19C] Memantin bei Alzheimer Demenz: Abschlussbericht. https://www.iqwig.de/download/a05-19c_abschlussbericht_memantin_bei_alzheimer_demenz.pdf.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (2007). [A05-19A] Cholinesterasehemmer bei Alzheimer Demenz: Abschlussbericht. https://www.iqwig.de/download/a05-19a_abschlussbericht_cholinesterasehemmer_bei_alzheimer_demenz.pdf.

McShane, R., Westby, M. J., Roberts, E. et al. (2019). Memantine for dementia. Cochrane Database of Systematic Reviews 2019, Issue 3. Art. No.: CD003154.

2.5 Welche Auswirkungen des Testens wären zusätzlich zu beachten?

Informieren Sie im fünften Teilschritt über mögliche Nebeneffekte, z.B. Risiken in anderen Lebensbereichen! Ein Alzheimer-Bluttest-Ergebnis beeinflusst nicht nur die Behandlung von Gedächtnisbeschwerden, sondern auch:

  • die Erwartung, wie unabhängig man in der Zukunft ist (z.B. hinsichtlich des Führens eines Fahrzeugs)
  • an welchen Studien zur Behandlung oder Prävention von Alzheimer man teilnehmen kann
  • das Risiko, Stigmatisierung zu erleben, welche zu Veränderungen im sozialen Gefüge führen kann

Es ist unbekannt, ob das Ergebnis eines solchen Alzheimer-Bluttests in der Zukunft zum Nachteil von Getesteten wirken kann.

2.6 Welche weiteren Handlungsempfehlungen gibt es (Prävention)?

Sie sollten im sechsten Teilschritt auf die präventiven Handlungsoptionen an Stelle eines Testens oder lediglich Nicht-Testens aufmerksam machen. Starke Evidenz zu positiven Effekten zur Prävention der Alzheimer-Krankheit liegt für viele Schutzfaktoren bzw. Vermeidungen von Risikofaktoren vor. Konzentrieren Sie sich im Gespräch mit Patient*innen ab 60 Jahren lieber auf ausgewählte Faktoren und besprechen Sie vor allem, was erforderlich ist, damit das Verhalten auch kontinuierlich ausgeübt werden kann:

  1. Bewegung, d.h. Sport treiben oder sich anders körperlich betätigen
  2. Geistige Aktivität, d.h. Bildung, Lernen und andere kognitiv stimulierende Aktivitäten
  3. Gesunde Ernährung, um Diabetes als Risikofaktor vorzubeugen
  4. Schädel-Hirn-Tramata als Risikofaktor verhindern, indem Helme bzw. Kopfschutz bei Kontaktsportarten und beim Radfahren genutzt werden
  5. Depression als Risikofaktor vorbeugen, ggf. erkennen und behandeln lassen
  6. Hör- und Sehtest, sowie ggf. Anpassung von Hilfsmitteln
  7. Impfentscheidungen zu den von der STIKO empfohlenen Schutzimpfungen (z.B. Herpes zoster, Covid, Influenza)

Livingston, G., Huntley, J., Liu, K. Y., Costafreda, S. G., Selbæk, G., Alladi, S., ... & Mukadam, N. (2024). Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. The Lancet, 404(10452), 572-628.

Yu, J. T., Xu, W., Tan, C. C., Andrieu, S., Suckling, J., Evangelou, E., ... & Vellas, B. (2020). Evidence-based prevention of Alzheimer's disease: systematic review and meta-analysis of 243 observational prospective studies and 153 randomised controlled trials. Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry, 91(11), 1201-1209.

Schritt 3: Präferenzen und Bedenken herausarbeiten

Im dritten Schritt werden Präferenzen und Bedenken systematisch exploriert. Dazu gehören das offene Erfragen persönlich wichtiger Punkte, das Herausarbeiten von Erwartungen und Bedenken, die Prüfung der Passung zur Lebenssituation sowie die Klärung, ob sich daraus bereits eine Präferenz oder Entscheidungsneigung ableiten lässt.

Helfen Sie Ihrem/r Patient*in, indem sie/er mit Blick auf ihre/seine persönlichen Wünsche und Ziele, ausschlaggebende Kriterien für oder gegen das Testen bzw. Nicht-Testen sammelt und indem sie/er die ausgewählten Kriterien priorisiert!

Folgende Schritte sind möglich:

  1. Persönliche Punkte offen erfragen.
  2. Erwartungen herausarbeiten, d.h. Sie klären, was die/der Patient*in von der Behandlung oder dem weiteren Vorgehen hofft und welches Ziel für ihn/sie im Vordergrund steht.
  3. Bedenken explorieren: Sorgen, Befürchtungen und mögliche Hürden werden angesprochen, damit sie nicht unausgesprochen bleiben und die Entscheidung verdeckt steuern.
  4. Passung zur Lebenssituation prüfen: Zentral ist, welche Möglichkeit in der konkreten Lebenssituation „am besten passt“.
  5. Präferenz in Richtung Entscheidung überführen: Hiernach wird gefragt, ob bereits eine Tendenz besteht oder was noch gebraucht wird, um entscheiden zu können.
  • Menschen haben unterschiedliche Prioritäten. Daher möchte ich von Ihnen wissen, was für Sie bei Ihrer Entscheidung am wichtigsten ist?
  • Welche der Optionen des Testens und Nicht-Testens sprechen Sie an? Gibt es Aspekte, die Ihnen Sorgen bereiten?
    • Wie wichtig ist es Ihnen, Fehlalarme und zusätzliche Folgeuntersuchungen (z. B. weitere Tests) eher zu vermeiden?
    • Wie belastend wäre es für Sie, ein auffälliges Ergebnis zu erhalten, bevor klar ist, was es konkret bedeutet?
    • Wenn der Alzheimer-Bluttest auffällig ist: Wären Sie grundsätzlich bereit, zur Bestätigung weitere Diagnostik zu erwägen?
  • Wie passen die verschiedenen Optionen in Ihren Alltag? Wie passen diese zu Ihren Wünschen bzw. Zielen und Plänen für die Zukunft?

Bei hochalten Patient*innen oder mit schwerwiegenden Begleiterkrankungen, sind unter anderem folgende Kriterien von erhöhter Relevanz:

  • Was ist Ihnen im Leben wichtig (z.B. Unabhängigkeit bzw. Hilfe bei der Selbstversorgung, Vorbeugen von Einsamkeit)?
  • Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft? Wovor haben Sie Angst? Was sollte auf keinen Fall passieren?
  • Was würde Ihnen am meisten helfen?

Schritt 4: Partizipative Entscheidungsfindung abschließen

In diesem letzten Schritt helfen Sie dabei, die besprochenen Fakten und Patientenpräferenzen miteinander in Einklang zu bringen, um eine gemeinsame Entscheidung über das Testen oder Nicht-Testen zu treffen. Es kommt darauf an, dass der/die Patient*in versteht, dass nun die Möglichkeit besteht, eine informierte Testentscheidung zu treffen.

Es ist ein mögliches Ergebnis des Prozesses, dass der/die Patient*in keine Entscheidung für oder gegen den Test treffen möchte. In dem Fall bleibt der Status quo erhalten. Hier ist insbesondere darauf zu verweisen, dass erst der Rat von Angehörigen eingeholt werden kann.

Wichtig, wenn eine Option gewählt wird: Fassen Sie einen Plan zur Umsetzung! Der beste Abschluss dieses Aufklärungsprozess' verbindet drei Dinge in einem Zug: die gemeinsame Entscheidung, den Bezug zu den Präferenzen der/des Patient*in und den konkreten nächsten Umsetzungsschritt.

  • Sind Sie bereit, eine Entscheidung zu treffen?
  • Ich möchte sicherstellen, dass die Entscheidung darauf basiert, was für Sie am wichtigsten ist. Dann könnte es in Ihrer Situation für Sie funktionieren.
  • Wenn Sie erwarten, dass das Testen besser für Sie ist: Wollen wir uns zu Vorteilen des Testens austauschen?
  • Wie zuversichtlich sind Sie, dass das Testen Ihnen nützen wird?
  • Wir haben besprochen, was Ihnen wichtig ist. Viele möchten die endgültige Entscheidung gemeinsam mit mir treffen. Andere ziehen es vor, dass ich die endgültige Behandlung empfehle. Wie möchten Sie die Entscheidung jetzt treffen?
  • Ich habe gerade gehört, dass Sie zum Testen tendierten, sich nun aber dagegen entschieden haben. Können Sie erklären, warum?
  • Ich habe gehört, dass Ihnen XYZ sehr wichtig ist. Haben Sie das Gefühl, eine gute Wahl getroffen zu haben? Warum haben Sie sich dafür entschieden?

Den Gesprächsleitfaden zum Herunterladen und Ausdrucken finden Sie hier.

Die Autor*innen dieser Seite haben keine Interessenkonflikte. Das Entwicklungsprojekt "PREPARE" wurde vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt finanziert (BMFTR Grant Nr. 01GP2213A/B/C/D). Mehr Informationen unter https://prepare.hardingcenter.de/.

Diese Seite zum Unterstützen einer partizipativen Entscheidungsfindung in der Kommunikationssituation in der primärärztlichen Versorgung wurde in einem iterativen Verfahren unter interner und externer Konsultation von methodischen und thematisch-fachlischen Wissenschaftler*innen bzw. Mediziner*innen erarbeitet. Skizzen sowie ein Prototyp wurden rundenweise pilotiert. In 2026 wird der interaktive Prototyp von weiteren Mediziner*innen im Rahmen einer Pilotstudie evaluiert. Das Verfahren orientierte sich an der Entwicklung von komplexen Informationsinterventionen.

Bitte zitieren Sie diese Seite wie folgt:

Harding Center for Risk Literacy and the PREPARE consortium (2026). Interaktives Instrument für das Patientengespräch zu blutbasierten Biomarkern der Alzheimer-Krankheit [An interactive tool for patient consultations on blood-based biomarkers of Alzheimer’s disease]. Internet. https://scav.risikoatlas.de.

Quellen:

Baghus, A., Giroldi, E., Muris, J., Stiggelbout, A., van de Pol, M., Timmerman, A., & van der Weijden, T. (2021). Identifying entrustable professional activities for shared decision making in postgraduate medical education: a national delphi study. Academic Medicine, 96(1), 126-133.

Elwyn, G., Frosch, D., Thomson, R., Joseph-Williams, N., Lloyd, A., Kinnersley, P., ... & Barry, M. (2012). Shared decision making: a model for clinical practice. Journal of General Internal Medicine, 27(10), 1361-1367.

Skivington, K., Matthews, L., Simpson, S. A., Craig, P., Baird, J., Blazeby, J. M., ... & Moore, L. (2024). A new framework for developing and evaluating complex interventions: update of Medical Research Council guidance. International Journal of Nursing Studies, 154, 104705.

Stiggelbout, A. M., Pieterse, A. H., & De Haes, J. C. (2015). Shared decision making: concepts, evidence, and practice. Patient Education and Counseling, 98(10), 1172-1179.