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In vier Schritten über den Bluttest entscheiden - Gesprächsleitfaden

Schritt 1: Die anstehende Entscheidung über einen Biomarker-Test einführen

Beginnen Sie mit einer Kurzvorstellung der Alzheimer-Krankheit, des Alzheimer-Tests mit Hilfe der Blutbiomarker - und wer diesen Test in Betracht ziehen kann.

Das Gesprächsziel ist zunächst, dass der/die Patient*in versteht, dass eine Entscheidung ansteht und dass es Handlungsoptionen dafür und dagegen sowie Alternativen gibt. Beachten Sie in Ihrer Begründung die Zugehörigkeit der/s Patient*in zur Zielpopulation, für die es einen möglichen Mehrwert gibt - hat er/sie kognitive Beschwerden, ist er/sie 60 Jahre alt oder älter.

  • Lassen Sie uns gemeinsam eine Entscheidung treffen, die Ihren Bedürfnissen entspricht.
  • Für den Fall, dass Sie sich von den Handlungsmöglichkeiten überfordert fühlen, würde ich Ihnen gern helfen, diese zu verstehen und die beste auszuwählen.
  • Um Ihnen zu helfen, eine gute Entscheidung zu treffen, würde ich gerne hören, wie Sie darüber denken. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten!
  • Der medizinische Teil ist mein Fachgebiet, aber Sie sind derjenige/diejenige, den/die es betrifft, also sagen Sie mir, was für Sie wichtig ist.

Schritt 2: Optionen des Testens und Nicht-Testens erläutern

Erklären Sie, dass Sie im Folgenden die verschiedenen Handlungsoptionen mit ihren Vor- und Nachteilen erläutern werden.

Nun werde ich Ihnen Ihre Optionen erläutern, wie sie sich unterscheiden, ihre Vor- und Nachteile und wie häufig sie vorkommen. Machen Sie sich auch gern Notizen dazu.

2.1 Welchen Unterschied macht es, wenn man den Bluttest macht oder nicht macht?

Besprechen Sie im ersten Teilschritt die Vor- und Nachteile des Testens, bevor Sie das für das Nicht-Testen tun. Vergleichen Sie die potenziellen Konsequenzen möglichst anhand von Aussagen pro Handlungsoption (z.B. Testen) anstatt rein relativer Vergleiche der beiden Optionen!

Machen Sie deutlich, dass heute (Stand Januar 2026) noch unsicher ist, welchen Nutzen und welche Risiken Patient*innen konkret für Ihre Gesundheit und Lebensqualität erwarten können, wenn sie sich testen oder nicht testen lassen.

Anmerkung: Erst wenn die Evidenzlage es zulässt, sollten Sie an dieser Stelle eine meta-analytische Evidenz-Zusammenfassung der patientenrelevanten Nutzen und Schäden des Testens bzw. Nicht-Testens vorhinden.

  • Die Kenntnis des Amyloid- oder Tau-Status durch den Blutbiomarker-Test und damit des persönlichen Risikos, in Zukunft an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken, kann vieles verändern
  • Es wird noch erforscht, welche Auswirkungen das Testen gegenüber dem Nichttesten auf Ihre Gesundheit und Lebensqualität haben könnte
  • Im Folgenden lässt sich überprüfen, was der Amyloid- oder Tau-Status für das individuelle Risiko, in Zukunft an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken, bedeutet

2.2 Wie hoch ist das Basisrisiko, an Alzheimer-Demenz zu erkranken?

Ermitteln Sie im zweiten Teilschritt mit der nachfolgenden Anwendung das absolute Basisrisiko der/s Patient*in mit kognitiven Beschwerden für eine demenzielle Alzheimer-Krankheit - nach Alter, Geschlecht und kognitivem Status. Die Anwendung ist für Patient*innen im Alter zwischen 60 und 89 Jahren geeignet.

Das absolute Basisrisiko ist eine Vorhersage in Form prozentualer Wahrscheinlichkeit, dass eine Person in den nächsten 10 Jahren an Alzheimer-Demenz erkranken wird. Für die Schätzung des Basisrisikos werden Alter, Geschlecht und ggf. das Ergebnis einer kognitiven Testung zugrunde gelegt. Die Abbildung links zeigt das jeweilige Basisrisiko an.

Zusatzangebot: Simulieren Sie ein hypothetisches Bluttest-Ergebnis! Das Risiko für eine Alzheimer-Demenz hängt auch davon ab, ob sich bereits eine Alzheimer-Krankheit zu entwickeln beginnt. Wie stark das Risiko davon abhängt, lässt sich hier simulieren. Dem Basisrisiko (Abbildung links) können Sie das modifizierte Risiko im Licht eines hypothetischen Vorliegens oder Nicht-Vorliegens einer Pathologie (Alzheimer-Plaques) gegenüberstellen (rechte Abbildung).

Wird dieser Risikorechner benutzt, kann der Eindruck von Unvermeidbarkeit bei dem/der Patient*in entstehen. Daher ist die Thematisierung von Präventionsmöglichkeiten im weiteren Gesprächsverlauf äußerst relevant!

Nutzen Sie den Risikorechner, wenn Sie von dem/der jeweiligen Patient*in und der Situation den Eindruck haben, dass er/sie mit einer sachlichen Einschätzung umgehen möchte bzw. kann. Ist er/sie bereits sehr emotional, z.B. verängstigt, kann eine Risikoberechnung helfen, aber auch verunsichern. In solchen Fällen wären Patientenbedürfnisse und Handlungsmöglichkeiten von höherer Gesprächsrelevanz.

Nutzen Sie das untenstehende Formular für die Eingaben.

Error:
Alter des/r Patient*in
Geschlecht des/r Patient*in
Wie viele Punkte werden im Mini-Mental-State-Test erreicht (MMST) ?
Hypothetischer Amyloid-Status
Zeitliche Orientierung
„Welchen Tag haben wir heute?”
Örtliche Orientierung
„Wo sind wir jetzt?“
Merkfähigkeit
Folgende 3 Gegenstände nennen, dann zur Wiederholung auffordern
Aufmerksamkeit und Rechnen
Jeweils 7 von 100 abziehen oder „STUHL“ rückwärts buchstabieren
Erinnern
„Was waren die Dinge, die Sie sich vorhin gemerkt haben?“
Benennen
Die Testperson soll die folgenden zwei Gegenstände benennen
Wiederholen
Die Testperson soll den folgenden Satz nachsprechen; nur ein Versuch ist erlaubt; die Redewendung „Kein wenn und aber“ ist nicht erlaubt.
Dreiteiliger Befehl
„Nehmen Sie das Blatt Papier, falten es in der Mitte und lassen es auf den Boden fallen“
Reagieren
Die Testperson soll den Satz: „Schließen Sie die Augen“ lesen und befolgen
Schreiben
Die Testperson soll einen beliebigen vollständigen Satz aufzuschreiben
Abzeichnen
Testperson soll die folgende Zeichnung abzeichnen
MMSE Score:
  • Haben Sie alles verstanden? Haben Sie Fragen? Kann ich etwas noch einmal erklären?
  • Erzählen Sie mir mit Ihren eigenen Worten, was Sie gehört oder verstanden haben

Diese modellhaften Risikoeinschätzungen sind mit erheblicher Unsicherheit behaftet. Sie berücksichtigen weder konkurrierende Einflüsse von Sterblichkeit, noch die Tatsache, dass eine Pathologie nicht perfekt erkannt oder ausgeschlossen werden kann.

Brookmeyer, R., & Abdalla, N. (2018). Estimation of lifetime risks of Alzheimer's disease dementia using biomarkers for preclinical disease. Alzheimer's & Dementia, 14(8), 981-988.

Brookmeyer, R., & Abdalla, N. (2019). Multistate models and lifetime risk estimation: Application to Alzheimer's disease. Statistics in medicine, 38(9), 1558-1565.

2.3 Wenn ein Alzheimer-Bluttest gemacht würde: Was kann ein auffälliges Testergebnis bedeuten?

Erklären Sie im dritten Teilschritt, dass - wie jeder andere medizinische Test auch - der Blutbiomarker-Test nicht perfekt sein kann. Fälschlicherweise könnte er ein Alzheimer-Risiko in Form einer bereits vorliegenden pathologischen Veränderung anzeigen oder auch übersehen.
Die folgende Visualisierung macht deutlich, wie oft das vorkommt und was das für ein auffälliges oder unauffälliges Testergebnis bedeutet.

Quellen: Der Visualisierung liegen die Testgütedaten des APS2-Modells für den Blutbiomarkertest in der primärärztlichen Versorgung zugrunde. Das Modell beinhaltet den Anteil vom Blutbiomarker Plasma phosphorylated tau 217 (p-tau217) in Verbindung mit dem Verhältnis von β-amyloid 42 und β-amyloid 40 (Aβ42:Aβ40).

Die Prävalenz (abweichend von etwa 50% in der Studie) wurde hier pauschal auf 30% festgelegt. Niemand kann im Moment abschätzen, wie viele Betroffene mit Amyloidpathologie unter jenen sind, die von Hausärzt*innen in Deutschland für eine Testung in Betracht gezogen werden.

Palmqvist, S., Tideman, P., Mattsson-Carlgren, N., Schindler, S. E., Smith, R., Ossenkoppele, R., ... & Hansson, O. (2024). Blood biomarkers to detect Alzheimer disease in primary care and secondary care. JAMA, 332(15), 1245-1257.

2.4 Was kann man tun, wenn das Testergebnis auffällig ist

Sie geben nun im vierten Teilschritt einen Ausblick darauf, welche Folgehandlungen zur Auswahl stehen, wenn das Ergebnis des Bluttests auffällig ist, d.h., dass es klar positiv auf eine Pathologie hinweist oder in einem mittleren Graubereich liegt.

Nur beim Verständnis der Handlungsoptionen infolge eines hypothetischen Testergebnisses kann von einer informierten Testentscheidung ausgegangen werden.

Schritt I - Abklärung durch weiterführende Diagnostik

Da ein auffälliges Alzheimer-Bluttestergebnis keine Diagnose ist, sondern ein starker Hinweis auf das Vorliegen einer Alzheimer-Pathologie (siehe 2.3 Wenn ein Alzheimer-Bluttest gemacht würde: Was kann ein auffälliges Testergebnis bedeuten?), ist eine weiterführende Diagnostik erforderlich (Stand Februar 2026). Ziel der weiterführenden Diagnostik ist die sichere Diagnosestellung. Diese kann nur in einer Fachklinik durchgeführt werden.

Informieren Sie nun über den Ablauf, den der/die Patient*in nach einem auffälligen Ergebnis erwarten kann:

Teilschritt Ia: Arztgespräch

  • Besprechung der Ergebnisse mit speziell ausgebildeten Neurolog*innen oder Psychiater*innen in einem Expertenzentrum, in der Regel einer Gedächtnisambulanz

Teilschritt Ib: Weiterführende Diagnostik (Goldstandard)

  • Neuropsychologische Testung: Ausführliche Tests zur Überprüfung des Gedächtnisses, der Konzentration und des Denkvermögens, um das Stadium der kognitiven Beeinträchtigung zu bestimmen.
  • Um die Alzheimer-Krankheit zu diagnostizieren und andere Ursachen auszuschließen, stehen verschiedene Verfahren zur Auswahl: Bildgebung (PET, MRT) und Nervenwasseruntersuchung (Liquordiagnostik).

Teilschritt Ic: Therapieplanung im Fall einer Diagnose der Alzheimer-Krankheit (siehe Schritt II)

Schritt IIa - Nicht-medikamentöse Behandlung und Sekundärprävention

Ziel einer Behandlung sind verbesserte Lebensqualität, die Selbstständigkeit möglichst zu erhalten, psychische Beschwerden zu lindern und Belastungen zu verringern (auch von Angehörigen)

  • Körperliche Aktivierungen, Sport
  • Psychosoziale Aktivierungen, gemeinsame Alltagsaktivitäten, Kunst- und Musiktherapie
  • Kognitive Aktivierungen, darunter Gedächtnis- und Orientierungsübungen

Schritt IIb - Medikamentöse Behandlung und Sekundärprävention

  • Cholinesterasehemmer und Memantin
  • Lecanemab (Handelsname Leqembi) und Donanemab (Handelsname Kisunla) sind monoklonale gegen Amyloid‑Plaques gerichtete Antikörper
    • Sie lassen sich ggf. zur Behandlung von Menschen mit Alzheimer im Frühstadium (milde kognitive Beeinträchtigung oder milde Demenz) einsetzen.
    • Der mögliche Nutzen ist eine Verlangsamung des Krankheitsfortschritts, also keine Heilung und keine Wiederherstellung bereits verlorener Fähigkeiten.
    • Zentrale Risiken sind amyloidassoziierte MRT‑Veränderungen (ARIA), also Hirnschwellungen (ARIA‑E) und Mikroblutungen bzw. Blutabbauprodukte (ARIA‑H), die engmaschige MRT‑Kontrollen nötig machen können, da sie auch schwerwiegend bzw. lebensbedrohlich sein können.​
    • Die Evidenzlage zum Nutzen-Schaden-Verhältnis der Antikörper gegenüber in Deutschland für die jeweiligen Patientengruppen indizierten Alternativtherapien ist Anfang 2026 noch unsicher und wird kontrovers diskutiert.
  • Sekundärprävention, um den Krankheitsverlauf bzw. den kognitiven Abbau in Richtung einer Demenz zu verzögern, ermöglichen unter anderem medikamentöse Maßnahmen zur Reduktion der kardiovaskulären Risikofaktoren (z.B. Diabetes-Einstellung, Blutdruckmedikamente)

Anmerkung: Erst wenn die Evidenzlage es zulässt, sollten Sie an dieser Stelle meta-analytische Evidenz-Zusammenfassungen der patientenrelevanten Nutzen und Schäden der jeweiligen Medikamente vorfinden.

Fink, H.A., Hemmy, L.S., Linskens, E.J. et al. (2020). Diagnosis and Treatment of Clinical Alzheimer's-Type Dementia: A Systematic Review. AHRQ Comparative Effectiveness Reviews, No. 223.

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (2026). Lecanemab: DGPPN fordert Erstattungsfähigkeit der Antikörper-Therapie bei früher Alzheimer-Demenz, https://www.dgppn.de/aktuelles/stellungnahmen-und-positionen/lecanemab-dgppn-fordert-erstattungsfaehigkeit.html.
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (2025). [A25-111] Lecanemab (frühe Alzheimer-Krankheit) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V, https://www.iqwig.de/projekte/a25-111.html.

2.5 Welche Auswirkungen des Testens wären zusätzlich zu beachten?

Informieren Sie im fünften Teilschritt über mögliche Nebeneffekte, z.B. Risiken in anderen Lebensbereichen! Ein Bluttest-Ergebnis beeinflusst nicht nur die Behandlung von Gedächtnisbeschwerden, sondern auch:

  • die Erwartung, wie unabhängig man in der Zukunft ist (z.B. hinsichtlich des Führens eines Fahrzeugs)
  • an welchen Studien zur Behandlung oder Prävention von Alzheimer man teilnehmen kann
  • das Risiko, Stigmatisierung zu erleben, welche zu Veränderungen im sozialen Gefüge führen kann

Es ist unbekannt, ob das Ergebnis eines solchen Bluttests in der Zukunft zum Nachteil von Getesteten wirken kann.

2f) Alternative Handlungsmöglichkeiten (Prävention)

Sie sollten im sechsten Teilschritt auf die präventiven Handlungsalternativen an Stelle eines Testens oder lediglich Nicht-Testens aufmerksam machen. Starke Evidenz zu positiven Effekten zur Prävention der Alzheimer-Krankheit liegt für viele Schutzfaktoren bzw. Vermeidungen von Risikofaktoren vor. Konzentrieren Sie sich im Gespräch mit Patient*innen ab 60 Jahren lieber auf ausgewählte Faktoren und besprechen Sie vor allem, was erforderlich ist, damit das Verhalten auch kontinuierlich ausgeübt werden kann:

  1. Bewegung, d.h. Sport treiben oder sich anders körperlich betätigen
  2. Geistige Aktivität, d.h. Bildung, Lernen und andere kognitiv stimulierende Aktivitäten
  3. Gesunde Ernährung, um Diabetes als Risikofaktor vorzubeugen
  4. Schädel-Hirn-Tramata als Risikofaktor verhindern, indem Helme bzw. Kopfschutz bei Kontaktsportarten und beim Radfahren genutzt werden
  5. Depression als Risikofaktor vorbeugen, ggf. erkennen und behandeln lassen

Livingston, G., Huntley, J., Liu, K. Y., Costafreda, S. G., Selbæk, G., Alladi, S., ... & Mukadam, N. (2024). Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. The Lancet, 404(10452), 572-628.

Yu, J. T., Xu, W., Tan, C. C., Andrieu, S., Suckling, J., Evangelou, E., ... & Vellas, B. (2020). Evidence-based prevention of Alzheimer's disease: systematic review and meta-analysis of 243 observational prospective studies and 153 randomised controlled trials. Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry, 91(11), 1201-1209.

Schritt 3: Präferenzen und Bedenken herausarbeiten

Sie besprechen nun die Präferenzen sowie Bedenken der/s Patient*in mit ihm/ihr. Konkret wird die Bewertung der Optionen des Testens bzw. Nicht-Testens von den persönlichen Erwartungen, Wertevorstellungen, Wünschen und Zielen beeinflusst.

Helfen Sie Ihrem/r Patient*in, indem sie/er mit Blick auf ihre/seine persönlichen Wünsche und Ziele:

1) ausschlaggebende Kriterien für oder gegen das Testen bzw. Nicht-Testen sammelt

und

2) indem sie/er die ausgewählten Kriterien priorisiert!

  • Da Menschen unterschiedliche Prioritäten haben, möchte ich von Ihnen wissen, was für Sie bei Ihrer Entscheidung am wichtigsten ist?
  • Welche der Optionen des Testens und Nicht-Testens sprechen Sie an? Gibt es Aspekte, die Ihnen Sorgen bereiten?
    • Wie wichtig ist es Ihnen, Fehlalarme und zusätzliche Folgeuntersuchungen (z. B. weitere Tests) eher zu vermeiden?
    • Wie belastend wäre es für Sie, ein auffälliges Ergebnis zu erhalten, bevor klar ist, was es konkret bedeutet?
    • Wenn der Bluttest auffällig ist: Wären Sie grundsätzlich bereit, zur Bestätigung weitere Diagnostik zu erwägen?
  • Wie passen die verschiedenen Optionen in Ihren Alltag und zu Ihren Wünschen bzw. Zielen und Plänen für die Zukunft?

Bei hochalten Patient*innen oder mit schwerwiegenden Begleiterkrankungen, sind unter anderem folgende Kriterien von erhöhter Relevanz:

  • Was ist Ihnen im Leben wichtig (z.B. Unabhängigkeit bzw. Hilfe bei der Selbstversorgung, Vorbeugen von Einsamkeit)
  • Was sind Ihre Wünsche für die Zukunft? Wovor haben Sie Angst und was sollte auf keinen Fall passieren?
  • Was würde Ihnen am meisten helfen?

Schritt 4: Partizipative Entscheidungsfindung abschließen

In diesem letzten Schritt helfen Sie dabei, die besprochenen Fakten und Patientenpräferenzen miteinander in Einklang zu bringen, um eine gemeinsame Entscheidung über das Testen oder Nicht-Testen zu treffen. Es kommt darauf an, dass der/die Patient*in versteht, dass der Moment einer informierten Entscheidung gekommen ist.

Es ist ein mögliches Ergebnis des Prozesses, dass der/die Patient*in keine Entscheidung für oder gegen den Test treffen möchte. In dem Fall bleibt der Status quo erhalten. Hier ist insbesondere darauf zu verweisen, dass erst der Rat von Angehörigen eingeholt werden kann.

Wichtig, wenn eine Option gewählt wird: Fassen Sie einen Plan zur Umsetzung!

  • Sind Sie bereit, eine Entscheidung zu treffen?
  • Ich möchte sicherstellen, dass die Entscheidung darauf basiert, was für Sie am wichtigsten ist. Dann könnte es in Ihrer Situation für Sie funktionieren.
  • Wenn Sie erwarten, dass Testen besser für Sie ist, weil Sie an bestimmte Vorteile denken, lassen Sie mich wissen, wenn wir uns dazu austauschen sollten.
  • Wie zuversichtlich sind Sie, dass dies funktionieren wird?
  • Wir haben besprochen, was Ihnen wichtig ist. Viele möchten die endgültige Entscheidung gemeinsam mit mir treffen. Andere ziehen es vor, dass ich die endgültige Behandlung empfehle. Wie möchten Sie die Entscheidung jetzt treffen?
  • Ich habe gerade gehört, dass Sie zum Testen tendierten, sich nun aber dagegen entschieden haben. Können Sie erklären, warum?
  • Ich habe gehört, dass Ihnen XYZ sehr wichtig ist. Haben Sie das Gefühl, eine gute Wahl getroffen zu haben? Warum haben Sie sich dafür entschieden?

Den Gesprächsleitfaden zum Herunterladen und Ausdrucken finden Sie hier.

Baghus, A., Giroldi, E., Muris, J., Stiggelbout, A., van de Pol, M., Timmerman, A., & van der Weijden, T. (2021). Identifying entrustable professional activities for shared decision making in postgraduate medical education: a national delphi study. Academic Medicine, 96(1), 126-133.

Elwyn, G., Frosch, D., Thomson, R., Joseph-Williams, N., Lloyd, A., Kinnersley, P., ... & Barry, M. (2012). Shared decision making: a model for clinical practice. Journal of General Internal Medicine, 27(10), 1361-1367.

Stiggelbout, A. M., Pieterse, A. H., & De Haes, J. C. (2015). Shared decision making: concepts, evidence, and practice. Patient Education and Counseling, 98(10), 1172-1179.

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